Im Hangar 21 tagte am Donnerstag die Delegiertenversammlung der IG Metall Detmold. Als höchstes beschlussfassendes Gremium in Lippe diskutierten die Delegierten zentrale Herausforderungen unserer Zeit: die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt sowie die aktuellen politischen Debatten um den Sozialstaat.
Künstliche Intelligenz: Mitbestimmung sichern
Zum Thema Künstliche Intelligenz referierte Oliver Dietrich, Projektsekretär für KI aus Ostwestfalen-Lippe. In seinem Vortrag zeigte er auf, welche tiefgreifenden Veränderungen KI bereits heute in Betrieben auslöst – von Produktionsprozessen bis hin zu administrativen Tätigkeiten.
Deutlich wurde: KI bietet Chancen für bessere Arbeitsorganisation, Entlastung und neue Qualifikationen. Gleichzeitig entstehen neue Fragen zu Datenschutz, Leistungsüberwachung und Beschäftigungssicherung.
Die Delegierten waren sich einig: Technologischer Fortschritt darf nicht gegen die Beschäftigten gestaltet werden. Mitbestimmung, Qualifizierung und klare tarifliche Regelungen sind entscheidend, damit Digitalisierung im Sinne der Menschen wirkt.
„Fünf Mythen des Sozialstaats“: Fakten statt Stimmungsmache
Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung war der Vortrag von Adrian Klock, Fachreferent des Vorstandes zum Thema Sozialstaat. Unter dem Titel „Fünf Mythen des Sozialstaats“ analysierte er verbreitete Behauptungen rund um Arbeitszeit, Pflege/Krankentage, Rente, Sozialstaatsfinanzierung und Grundsicherung.
Sein Fazit: Viele der aktuellen öffentlichen Debatten basieren auf verkürzten oder falschen Annahmen. Statt sachlicher Analyse dominieren häufig Narrative, die Beschäftigte gegeneinander ausspielen und gesellschaftliche Spaltung vertiefen.
Die Diskussion im Plenum zeigte deutlich: Die Delegierten sehen die aktuellen politischen Angriffe auf soziale Sicherungssysteme mit großer Sorge.
Die IG Metall Detmold wird deshalb ihre Beschäftigten in den Betrieben gezielt über die Mythen des Sozialstaats aufklären. Geplant sind Informationsangebote, betriebliche Diskussionen und Materialien, die faktenbasiert über Arbeitszeit, Rente, Sozialfinanzierung und Grundsicherung informieren.
Zudem wird die IG Metall Detmold in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt auch in die Öffentlichkeit gehen, um die Debatte sachlich zu führen und deutlich Position für einen starken Sozialstaat zu beziehen.
Klare Haltung: Finger weg vom Sozialstaat
Im Anschluss verabschiedete die Delegiertenversammlung eine Resolution mit dem Titel:
„Finger weg vom Sozialstaat – Finger weg von unseren Arbeitszeiten!“
Darin positioniert sich die IG Metall Detmold eindeutig gegen:
- eine Erhöhung des Renteneintrittsalters
- eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit
- Einschränkungen selbstbestimmter Teilzeit
- eine weitere Belastung von Beschäftigten zugunsten hoher Einkommen und Vermögen
Gefordert werden unter anderem:
- eine gerechte Besteuerung hoher Einkommen und großer Vermögen
- eine stabile, solidarische Finanzierung von Pflege- und Krankenversicherung
- die Weiterentwicklung des Grundsicherungsgeldes zu einer solidarischen Grundsicherung
Die zentrale Botschaft der Delegierten lautet:
Nicht der Sozialstaat ist zu teuer – zu teuer ist die wachsende Ungleichheit.
Deutliche Worte aus der Praxis
Auch aus den Betrieben wurde klare Kritik formuliert. Ein Betriebsratsvorsitzender aus der Region widersprach entschieden pauschalen Vorwürfen, Beschäftigte würden „zu wenig arbeiten“ oder seien „zu lange krank“. Solche Aussagen seien respektlos gegenüber den vielen Menschen, die täglich engagiert und unter hohem Druck arbeiten.
Gemeinsam für soziale Sicherheit und gute Arbeit
Die Delegiertenversammlung machte deutlich: Die IG Metall Detmold wird sich weiterhin entschieden gegen politische und gesellschaftliche Angriffe auf soziale Sicherheit, gute Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung stellen.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und technologischer Umbrüche braucht es einen starken Sozialstaat, solidarische Lösungen und eine Politik im Interesse der Mehrheit.